Wie lange es dauert, schwanger zu werden, lässt sich nicht vorhersagen: Bis zu einem Jahr gilt als normale Wartezeit, das sind etwa zwölf Zyklen, und die meisten Schwangerschaften entstehen schon in den ersten sechs Monaten.
Mehrere Zyklen ohne Schwangerschaft, in Foren Übungszyklen (ÜZ) genannt, sind häufig und für sich allein kein Zeichen, dass etwas nicht stimmt. Ab 35 Jahren lässt man es nach etwa sechs Monaten abklären. Eigene Abschnitte gelten der Zeit nach einer Fehlgeburt oder Ausschabung; hattest du keine, überspringst du sie.
Auf einen Blick
- Normale Wartezeit
- bis 1 Jahr
- Ein Jahr sind etwa
- 12 Zyklen
- Abklären ab 35 Jahren
- 6 Monate
Wie lange dauert es?
Aus medizinischer Sicht gilt ein Jahr als normale Wartezeit, bis du schwanger wirst, wenn du regelmäßig Sex ohne Verhütung hast.
Dass es nicht jeden Zyklus klappt, hat einen biologischen Grund. Eine Schwangerschaft ist am ehesten in einem Zeitfenster von etwa sechs Tagen möglich, das am Eisprung endet: Spermien überleben bis zu fünf Tage, die Eizelle ist nach dem Eisprung nur etwa 12–24 Stunden befruchtungsfähig. Der Eisprung wandert von Zyklus zu Zyklus um einige Tage, deshalb lässt sich das Zeitfenster nur als Zeitraum berechnen. Daraus lassen sich keine Tage ableiten, an denen eine Schwangerschaft ausgeschlossen ist: Rechnung und Beobachtung eignen sich nicht zur Verhütung.
Schwanger mit 30, 35 oder 40
Wie schnell man schwanger wird, hängt auch vom Alter ab: Die Chance pro Jahr sinkt. Je nach Auswertung werden von 100 Frauen, die ein Jahr lang regelmäßig Sex ohne Verhütung haben, schwanger:
- mit 30 Jahren: etwa 75–80
- mit 35 Jahren: etwa 65–75
- mit 40 Jahren: etwa 45–55
Das sind Durchschnittswerte vieler Frauen, keine Aussage über dich. Bei Frauen unter 40 werden mehr als 8 von 10 Paaren innerhalb eines Jahres und mehr als 9 von 10 innerhalb von zwei Jahren schwanger. Auch mit Ende 30 und mit 40 heißt eine längere Wartezeit nicht, dass es nicht klappt.
Was ist ein Übungszyklus (ÜZ)?
Als Übungszyklus, kurz ÜZ, bezeichnen Frauen in Kinderwunsch-Foren einen Zyklus, in dem sie versuchen, schwanger zu werden. „Im 4. ÜZ“ heißt: im vierten Zyklus seit Beginn des Wunsches. Dazu kommen ZT für Zyklustag (ZT 1 ist der erste Tag der Periode) und die Hibbelzeit, die Wartezeit bis zum Schwangerschaftstest.
Der Begriff ist nicht medizinisch, und „üben“ fühlt sich für viele nicht stimmig an, besonders nach einem Verlust; hier steht deshalb meist „Zyklus“. Ein Zyklus zählt vom ersten Tag der Periode bis zum Tag vor der nächsten. Für ein ärztliches Gespräch zählen die Monate und dein Alter, nicht die Nummer des Zyklus.
Wie viele Zyklen sind normal?
Wie viele Übungszyklen normal sind, dafür gibt es keine feste Zahl, denn sie hängt davon ab, wen eine Auswertung erfasst. Je nach Auswertung sind nach sechs Zyklen etwa 6 bis 8 von 10 Frauen schwanger und nach zwölf Zyklen etwa 75 bis 90 von 100. Die höheren Werte stammen von Frauen, die ihren Zyklus beobachteten und den Sex gezielt planten; sie sind eher Höchstwerte.
Nach sechs Zyklen sind also noch etwa 2 bis 4 von 10 Frauen nicht schwanger. Wer im dritten oder sechsten Zyklus noch wartet, gehört zu einer großen Gruppe.
Die Zahl der Zyklen sagt nichts über dich.
Wie oft Sex bei Kinderwunsch?
Um schwanger zu werden, nennen Fachstellen keinen einzelnen Tag, sondern einen Rhythmus: Sex alle 2 bis 3 Tage über den ganzen Zyklus oder alle 1 bis 2 Tage in den Tagen rund um den Eisprung. Häufiger ist nicht schlechter, Sex aufzusparen ist nicht nötig. Weil das Zeitfenster etwa sechs Tage lang ist, muss der Eisprungtag nicht genau getroffen werden. Für die Stellung oder langes Liegenbleiben nach dem Sex gibt es keine Belege.
Wird Sex nach Plan zur Pflicht, kann das beide belasten, auch den Mann. Sprecht darüber.
Stress und Kinderwunsch
Dass Alltagsstress allein eine Schwangerschaft verhindert, ist nicht gesichert belegt, und „entspann dich einfach“ ist kein Rat, sondern ein Satz, der Schuld erzeugt. Genaues Beobachten des Zyklus kann selbst Stress erzeugen. Wenn dir das Planen zur Last wird, wähle den Weg, der sich gut anfühlt, auch einen mit weniger Planung.
Hilft ein Ovulationstest?
Ob ein Ovulationstest die Zeit bis zur Schwangerschaft verkürzt, ist nicht sicher geklärt. Er ist eine Möglichkeit, den eigenen Zyklus besser kennenzulernen, aber keine Voraussetzung.
Ein Ovulationstest weist im Urin das Hormon LH nach. Sein Anstieg geht dem Eisprung meist ein bis zwei Tage voraus. Der Test zeigt also einen Anstieg an, nicht den Eisprung selbst; in einzelnen Zyklen folgt auf einen Anstieg kein Eisprung. Ein negatives Ergebnis schließt einen Eisprung nicht aus, denn ein kurzer Anstieg kann zwischen zwei Tests liegen.
Auch ohne Test grenzt die Rechnung aus der Zykluslänge ein Fenster aus mehreren Tagen ein, und der Zervixschleim wird vor dem Eisprung meist klarer und dehnbarer. Einen einzelnen Tag trifft sie selten: Bei einem 28-Tage-Zyklus liegt der Eisprung nur in etwa 1 von 10 Zyklen genau 14 Tage vor der nächsten Periode. Ovulationstests, Rechnung und Beobachtung eignen sich in keinem Zyklus zur Verhütung.
Wann Ovulationstest machen?
Wann du einen Ovulationstest machst und wie du ihn abliest, geht Schritt für Schritt:
- Bestimme deine Zykluslänge aus mehreren selbst gezählten Zyklen. Schwankt sie, nimm den kürzesten der letzten sechs Zyklen. Kennst du sie noch nicht, trag die nächsten Perioden ein; bis dahin geht es auch ohne Test.
- Lies in der Packungsbeilage, ab welchem Zyklustag du beginnst; steht dort ein anderer Tag als hier, gilt die Packung. Für klassische Teststreifen nennt eine Patienteninformation von Frauenärztinnen und Frauenärzten bei 28 Tagen etwa Zyklustag 9, bei 35 Tagen etwa Tag 14; digitale Tests geben je nach Produkt andere Starttage an.
- Halte dich an die Beilage zu Uhrzeit und Trinkmenge; sie unterscheidet sich je Test, etwa bei der Frage, ob der erste Morgenurin passt. Teste immer etwa zur gleichen Uhrzeit. Ein einzelner Test am Tag kann einen kurzen Anstieg verpassen; manche testen zweimal täglich, wenn die Beilage das vorsieht, und brauchen dann mehr Tests.
- Lies die Linie nur in der angegebenen Zeit ab. Bei Teststreifen gilt als positiv, wenn die Testlinie mindestens so dunkel ist wie die Kontrolllinie; die Kontrolllinie zeigt nur, dass der Test funktioniert, und fehlt sie, ist der Test ungültig. Das ist eine Herstellerkonvention, kein medizinischer Grenzwert. Eine hellere Linie bleibt negativ, auch wenn sie dunkler wird als am Vortag; wie dunkel sie ist, sagt etwas über die Linie, nicht über dich.
- Notiere Datum, Uhrzeit und was du siehst.
- Positiv heißt: Ein LH-Anstieg wird angezeigt. Der Eisprung folgt meist innerhalb von ein bis zwei Tagen, kann sich aber verzögern oder ausbleiben. Ein positiver Test beendet das Zeitfenster nicht. Bleibt der Test an aufeinanderfolgenden Tagen positiv, wird das meist als derselbe Anstieg gewertet; bei manchen Frauen wird die Linie im selben Zyklus mehrmals dunkel.
Digitale Tests zeigen Symbole. Bei Clearblue lila (Fortschrittlich) steht der leere Kreis für keinen deutlichen Anstieg über deine Ausgangswerte, der blinkende Smiley für einen Östrogenanstieg und der feste Smiley für einen LH-Anstieg. Der blinkende Smiley kann an mehreren Tagen hintereinander erscheinen und ist noch kein LH-Anstieg; der feste Smiley bleibt etwa zwei Tage stehen, auch das ist derselbe Anstieg. Clearblue rosa (Digital) kennt nur den leeren Kreis und den festen Smiley. Erscheint in einem Zyklus kein fester Smiley, kann der Anstieg zwischen zwei Tests gelegen haben. Die Beilage rät, bei drei Zyklen in Folge ohne angezeigten LH-Anstieg ärztlichen Rat zu suchen; das ist ein Hinweis aus der Packung, keine ärztliche Frist.
Die Linie sagt etwas über den Test, nicht über dich.
Ab wann zur Ärztin?
Bei Kinderwunsch gilt in Deutschland: Hat es nach etwa einem Jahr mit regelmäßigem Sex ohne Verhütung nicht geklappt, lässt man das am besten ärztlich abklären, in der Frauenarztpraxis oder einer Kinderwunschpraxis. Ab 35 Jahren gilt das schon nach etwa sechs Monaten. Ab 40 Jahren kannst du auch ohne vorherige Wartezeit ein Gespräch vereinbaren; britische Leitlinien überweisen Frauen ab 36 Jahren schon beim ersten Termin. Früher ist ein Gespräch auch bei bekannten Vorerkrankungen, bei sehr unregelmäßigen oder ausbleibenden Perioden und nach mehreren Fehlgeburten sinnvoll (Angaben für Deutschland). Du musst nicht bis zum letzten Tag der Frist warten.
An einer Schwangerschaft sind immer zwei Menschen beteiligt, die Ursachen können bei einer oder bei beiden Personen liegen. Deshalb werden in der Regel beide untersucht: bei der Frau meist ein Gespräch zu Zyklus und Vorgeschichte, Ultraschall und Blutwerte, beim Mann eine Samenprobe (Spermiogramm), die oft früh sinnvoll ist.
Eine Kinderwunschbehandlung bezuschusst die gesetzliche Krankenkasse nur unter Voraussetzungen, darunter Alter und Familienstand (Angabe für Deutschland). Die Altersgrenze betrifft die Kostenübernahme, nicht die Frage, ob eine Schwangerschaft möglich ist. Frag früh bei deiner Krankenkasse nach.
Für das Gespräch hilft es, diese Angaben bereitzuhalten:
- die ersten Tage deiner letzten Perioden, Zykluslängen und Blutungsdauer
- seit wann ihr es versucht und wie oft ihr Sex habt
- Testtage und Ergebnisse, falls du getestet hast
- Vorerkrankungen, Medikamente und frühere Schwangerschaften oder Fehlgeburten
Was du vorher tun kannst
Zur Vorbereitung auf eine Schwangerschaft empfehlen Fachgesellschaften Frauen mit Kinderwunsch täglich mindestens 400 Mikrogramm Folsäure als Präparat, am besten ab vier Wochen vor der Schwangerschaft. Rauchen kann die Fruchtbarkeit von Frauen und Männern beeinträchtigen, bei Alkohol ist Verzicht der vorsichtigste Weg. Medikamente besprichst du mit der Praxis oder Apotheke. Das dient der Vorbereitung, nicht der Abkürzung der Wartezeit.
Schwanger nach Pille, Spirale
Nach Pille oder Spirale beginnt die Wartezeit, wenn die Wirkung endet und ihr regelmäßig Sex ohne Verhütung habt. Nach dem Absetzen der Pille kann der Eisprung schon im ersten Zyklus zurückkehren; bis die Periode wieder in einem gewohnten Rhythmus kommt, kann es bis zu etwa drei Monate dauern. Nach dem Entfernen einer Spirale oder eines Implantats kommt die Fruchtbarkeit meist schnell zurück. Nach der Dreimonatsspritze dauert es oft länger: Die Fruchtbarkeit kehrt häufig erst nach etwa einem Jahr zurück, bei manchen Frauen später. Die Beilage von Clearblue lila (Fortschrittlich) weist darauf hin, dass die Zyklen nach dem Absetzen hormoneller Verhütung unregelmäßig sein können, und schlägt vor, zwei Zyklen bis zum Testen abzuwarten.
Unregelmäßiger Zyklus
Schwanken deine Zyklen stark, wird das berechnete Fenster breit, und die Rechnung sagt wenig aus. Dann nennen Fachstellen denselben Rhythmus über den ganzen Zyklus, ohne dass du den Eisprung kennen musst: Sex alle 2 bis 3 Tage. Ovulationstests brauchen mehr Testtage und können mehrfach positiv sein, ohne dass ein Eisprung folgt.
Bei längeren Zyklen hast du im Jahr weniger Versuche, zähle deshalb in Monaten. Ein ärztliches Gespräch lohnt früher als nach einem Jahr, wenn deine Zyklen wiederholt kürzer als 24 oder länger als 38 Tage sind oder die Periode länger als drei Monate ausbleibt; mach vorher einen Schwangerschaftstest.
Früher nachzufragen ist kein Überreagieren.
Zweites Kind, Behandlung
Zweites Kind: Gezählt wird die Zeit seit Beginn des neuen Versuchs, und dein Alter ist heute ein anderes als beim ersten Kind. Fragen zu Stillzeit und erstem Zyklus nach der Geburt besprichst du mit Hebamme oder Praxis.
Kinderwunschbehandlung: Die Zahlen in diesem Artikel beschreiben Paare ohne Behandlung. Was dein Zentrum zu Sex, Tests und dem Zeitpunkt eines Schwangerschaftstests vorgibt, geht vor.
Hibbelzeit überstehen
Die Zeit zwischen Eisprung und Schwangerschaftstest dauert oft etwa zwei Wochen und ist für viele die schwerste. Ein Schwangerschaftstest ist ab dem ersten Tag der ausgebliebenen Periode am aussagekräftigsten. Frühtests zeigen manchmal schon einige Tage vorher etwas an, ein negatives Ergebnis davor schließt eine Schwangerschaft aber nicht aus. Bleibt die Periode aus, wiederhole den Test nach einigen Tagen. Kennst du den Termin der Periode nicht, teste frühestens 21 Tage nach dem letzten Sex ohne Verhütung.
Ist der Test positiv, vereinbare einen Termin in der Praxis. Liegt ein Verlust erst wenige Wochen zurück, kann ein positiver Test noch vom Verlust stammen. Ein positiver Test zusammen mit einseitigen Unterbauchschmerzen, Schmerzen in der Schulter oder Schwindel gehört sofort in die Notaufnahme; eine Blutung dazu lässt du noch heute in der Praxis abklären (sonst 116 117). Mehr dazu im Kasten am Ende.
Das Warten kann belasten. Hilft dir ein Gespräch, gibt es Beratungsstellen zum unerfüllten Kinderwunsch, etwa bei pro familia (Angabe für Deutschland).
Eintragen in Cyelle
Dieser Artikel erscheint im Blog von Cyelle, einer App für Zyklus und Schwangerschaft für iPhone und Android. Du trägst dort Periode, Ovulationstests, Sex und Symptome ein. Einen Test liest du selbst ab und gibst an, was er zeigt, auch mehrere Tests am Tag mit Uhrzeit; die App speichert deine Angabe, ohne Foto.
Cyelle zeigt das fruchtbare Fenster als berechneten Zeitraum und den Eisprung als Voraussage, nicht als Tatsache. Außerdem zeigt die App, wie verlässlich die Voraussage ist; ab drei erfassten Zyklen rechnet Cyelle mit deiner eigenen Zykluslänge. Die App ist kein Verhütungsmittel und stellt keine Diagnose. Deine Einträge verkauft Cyelle nicht, löschen kannst du sie selbst in der App.
Schwanger nach Fehlgeburt
Dieser Teil richtet sich an Frauen, die eine Fehlgeburt erlebt haben, und gilt vor allem für frühe Fehlgeburten bis zur 12. Woche. Hattest du keine, überspringst du ihn. Auch ein sehr früher Verlust darf wehtun, und es ist verständlich, wenn du noch nicht weißt, ob und wann du es wieder versuchen möchtest. Frühe Fehlgeburten gehen meist auf zufällige Veränderungen im Erbgut zurück und lassen sich in aller Regel nicht verhindern. Niemand hat einen Fehler gemacht.
Eine medizinisch begründete Mindestwartezeit gibt es nicht. Sobald du dich bereit fühlst und ein Zyklus mit Eisprung stattfindet, ist eine neue Schwangerschaft möglich. Eine Fehlgeburt sagt nicht, wie es beim nächsten Mal wird; wie sich die Wartezeit verändert, ist von Frau zu Frau verschieden. Besprich Sorgen darüber in der Praxis. Die Zahlen oben beschreiben, wie lange es dauert, schwanger zu werden, nicht, ob eine Schwangerschaft bleibt.
Manchmal zeigt erst eine Ultraschallkontrolle, dass sich eine Schwangerschaft nicht weiterentwickelt. Abwarten, Tabletten und Ausschabung kommen je nach Situation infrage; welcher Weg für dich passt, entscheidest du mit der Praxis. Bist du Rhesus-negativ, ein Blutmerkmal, das im Mutterpass oder Blutgruppenausweis steht, frag früh in der Praxis nach der Anti-D-Spritze.
Wann wieder versuchen?
Nach einer Fehlgeburt nannten frühere Empfehlungen sechs Monate Wartezeit; neuere Auswertungen sehen für frühe Fehlgeburten keinen körperlichen Grund zu warten. Das zeigt nicht, dass früher besser ist, und ist kein Grund, dich zu drängen: Paare trauern in unterschiedlichem Tempo. Hat dir deine Praxis eine Wartezeit genannt, frag nach dem Grund.
Nach einer Eileiterschwangerschaft (die Schwangerschaft sitzt außerhalb der Gebärmutter) oder einer Blasenmole (eine seltene Fehlentwicklung des Gewebes) legt die Praxis den Zeitpunkt fest.
Du musst dich nicht drängen lassen.
Erster Zyklus nach Fehlgeburt
Schließt der Körper die Schwangerschaft von selbst ab, durch Abwarten oder mit Tabletten, kommt es zu periodenartigen oder stärkeren Blutungen und Krämpfen, die bis zu drei Wochen anhalten können, in manchen Fällen länger. Diese Blutung ist keine Periode. Binden, Tampons und Menstruationstasse sind möglich; Binden helfen, die Menge einzuschätzen. Nach sieben bis vierzehn Tagen ist eine Ultraschallkontrolle üblich, denn Reste können mit der nächsten Periode abgehen oder weitere Behandlung nötig machen.
Ein Pausenzyklus, also ein Zyklus Pause vor dem nächsten Versuch, ist nach einem natürlichen Verlauf nicht notwendig. Die erste Periode kommt meist nach fünf bis sechs Wochen, sie kann sich auch stärker verzögern. Der Eisprung kann schon vorher zurückkehren: in Einzelfällen nach 8–10 Tagen, bei 9 von 10 Frauen innerhalb eines Monats. Eine neue Schwangerschaft ist deshalb auch vor der ersten Periode möglich. Wer in den nächsten Wochen nicht schwanger werden möchte, bespricht Verhütung bei der Nachsorge, denn Rechnung und Tests eignen sich dafür nicht.
Zum Sex gibt es unterschiedliche Empfehlungen: Die deutsche Patienteninformation sieht keinen Grund zu verzichten, britische Stellen raten, bis die Beschwerden vorbei sind. Es gibt keinen Zeitpunkt, an dem du wollen musst. Welche Zeichen ärztliche Hilfe brauchen, steht im Kasten am Ende.
Schwanger nach Ausschabung
Bei einer Ausschabung (Kürettage) wird die Gebärmutter in einem kurzen Eingriff, meist ambulant und in Narkose, geleert, heute meist durch Absaugen. Bei einer Blasenmole ist sie notwendig, sonst nicht in jedem Fall; das besprichst du mit der Praxis.
Auch nach einer Ausschabung gibt es keine feste Wartefrist. Es kann sinnvoll sein, eine Periode abzuwarten, damit sich die Gebärmutterschleimhaut neu aufbaut und der Gebärmutterhals festigt. Das ist eine ärztliche Empfehlung, kein starres Gebot, und gehört in die Nachsorge. Der Eisprung kann auch hier vor der ersten Periode zurückkehren, die meist nach etwa fünf bis sechs Wochen kommt; wer nicht gleich schwanger werden möchte, spricht Verhütung in der Nachsorge an.
Auf Wunsch kann das Gewebe untersucht werden; ob die Kasse die Kosten trägt, frag vorher in der Praxis (Angabe für Deutschland). Kommt nach etwa acht Wochen keine Periode oder ist sie sehr schwach, ruf in der Praxis an. Welche Zeichen du ärztlich abklären lassen solltest, stehen im Kasten am Ende.
Ovulationstest nach Fehlgeburt
In den ersten Wochen nach einer Fehlgeburt oder Ausschabung kann ein Ovulationstest schwer lesbar sein. Restliches Schwangerschaftshormon (hCG) kann das Ergebnis irreführend machen, und der Zyklus ist oft unregelmäßig, mit mehreren Anstiegen oder keinem klaren. Das ist kein Defekt des Tests. Die Beilage von Clearblue lila (Fortschrittlich) nennt eine kürzlich beendete Schwangerschaft als Umstand, bei dem die Anzeige irreführend sein kann; eine Wartezeit nennt sie dafür nicht. Frag bei Unsicherheit in der Praxis nach.
- Möchtest du testen, mach zuerst einen Schwangerschaftstest. Er kann nach einer Fehlgeburt oder Ausschabung mehrere Wochen positiv bleiben, weil hCG langsam sinkt; solange er positiv ist, sagt ein Ovulationstest wenig. Ein negativer Test nach dem Verlust macht einen späteren positiven Test aussagekräftig.
- Ist er nach mehreren Wochen noch positiv oder wird er nach einem negativen Ergebnis wieder positiv, ruf in der Praxis an.
- Trag Datum, Uhrzeit und Anzeige ein, aber deute nicht jede Linie.
Haben sich deine Zyklen eingependelt, gelten wieder die Hinweise aus „Wann Ovulationstest machen?“. Eine Pause vom Beobachten ist jederzeit in Ordnung.
Zählen nach einer Fehlgeburt
Der erste Zyklus nach einer Fehlgeburt beginnt mit der ersten Periode danach: Zyklustag 1 ist ihr erster Tag. Die Blutung der Fehlgeburt ist keine Periode und gehört, wenn du eine Zyklus-App nutzt, nicht als Periode in den Kalender. Ob du neu zählst oder weiter, entscheidest du; wichtig ist eine feste Zählweise. Voraussagen sind in den ersten Zyklen besonders unsicher, rechne mit einem Zeitraum statt mit einem Datum.
Für die Frage, wann ein ärztliches Gespräch sinnvoll ist, musst du nicht bei null anfangen: Britische Leitlinien sagen ausdrücklich, dass die Frist für die Abklärung nicht von vorn beginnt, wenn die Fehlgeburt in die Wartezeit fällt. Zähle die Zeit seit Beginn des Wunsches weiter und sprich die Praxis an, wenn dich etwas beschäftigt.
Nach einer einzelnen Fehlgeburt ist eine Ursachensuche in der Regel nicht üblich; Fragen und Sorgen sprichst du jederzeit an. Nach zwei Fehlgeburten kannst du eine Abklärung ansprechen, eine genetische Untersuchung des Gewebes ist dann sinnvoll. Nach üblicherweise drei Fehlgeburten können weitere Untersuchungen veranlasst werden. Rund um einen Verlust besteht in Deutschland Anspruch auf Betreuung durch eine Hebamme, die Kasse trägt die Kosten. Austausch und Beratung bieten außerdem der Bundesverband Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister (VEID) und die Initiative REGENBOGEN.
Jeder Zyklus mit einer neuen Periode kann Trauer oder Leere auslösen, und Angst vor dem nächsten Versuch oder einem positiven Test ist nach einem Verlust verbreitet. Hilft dir ein Gespräch, beraten Schwangerschaftsberatungsstellen kostenlos und auf Wunsch anonym.
Wenn es dir schwerfällt
Die Telefonseelsorge ist kostenlos und rund um die Uhr unter 0800 1110111 erreichbar (Angabe für Deutschland). Nimmt die Trauer in deinem Leben eine beherrschende Rolle ein, lass dir beizeiten helfen, in der Praxis oder bei einer Beratungsstelle. Wenn du dir etwas antun möchtest, wähle sofort den Notruf 112.
Nur zur Orientierung — ersetzt keine medizinische Beratung oder Diagnose.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, schwanger zu werden?
Bis zu einem Jahr gilt als normale Wartezeit, das sind etwa zwölf Zyklen; die meisten Schwangerschaften entstehen in den ersten sechs Monaten. Von 100 Frauen sind nach einem Jahr je nach Auswertung etwa 75 bis 80 mit 30 Jahren schwanger, etwa 65 bis 75 mit 35 und etwa 45 bis 55 mit 40 Jahren. Das sind Durchschnittswerte, keine Aussage über dich.
Wie viele Übungszyklen sind normal?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Je nach Auswertung sind nach sechs Zyklen etwa 6 bis 8 von 10 Frauen schwanger, nach zwölf Zyklen etwa 75 bis 90 von 100. Mehrere Zyklen ohne Schwangerschaft sind deshalb häufig. Für ein ärztliches Gespräch zählen die Monate und dein Alter, nicht die Nummer des Zyklus.
Was bedeutet ÜZ, und was ist die Hibbelzeit?
ÜZ steht für Übungszyklus: Frauen in Kinderwunsch-Foren zählen damit, der wievielte Zyklus mit dem Wunsch, schwanger zu werden, gerade läuft. Der Begriff ist nicht medizinisch; wer „üben“ nicht passend findet, sagt einfach „Zyklus“. Die Hibbelzeit ist die Wartezeit zwischen Eisprung und Schwangerschaftstest, oft etwa zwei Wochen.
Ab wann sollte ich bei Kinderwunsch zur Ärztin?
In Deutschland lässt man es nach etwa einem Jahr ohne Schwangerschaft ärztlich abklären, ab 35 Jahren nach etwa sechs Monaten, ab 40 Jahren auch ohne Wartezeit, früher auch bei bekannten Vorerkrankungen, sehr unregelmäßigen Perioden oder mehreren Fehlgeburten. Untersucht werden in der Regel beide Partner. Ein Termin ist auch früher jederzeit möglich.
Wann kann ich nach Fehlgeburt oder Ausschabung wieder schwanger werden?
Eine medizinisch begründete Mindestwartezeit gibt es nicht. Sobald du dich bereit fühlst und ein Zyklus mit Eisprung stattfindet, ist eine neue Schwangerschaft möglich, der Eisprung kann schon vor der ersten Periode zurückkehren. Nach einer Ausschabung kann es sinnvoll sein, eine Periode abzuwarten; das besprichst du in der Nachsorge. Rechnung und Tests eignen sich nicht zur Verhütung.
Setzt eine Fehlgeburt die Wartezeit zurück?
Britische Leitlinien sagen: Tritt eine Fehlgeburt während der Wartezeit ein, beginnt die Frist für die Abklärung nicht von vorn. Ein Gespräch in der Praxis ist jederzeit möglich.
Wann Ovulationstest machen, und geht das nach Fehlgeburt?
Wann du mit dem Testen beginnst, steht in der Packungsbeilage und hängt von der Zykluslänge ab. Ein Ovulationstest zeigt einen LH-Anstieg an, nicht den Eisprung selbst. Ob Tests die Zeit bis zur Schwangerschaft verkürzen, ist nicht sicher geklärt; sie sind eine Möglichkeit, den Zyklus kennenzulernen, keine Voraussetzung. Nach einer Fehlgeburt oder Ausschabung kann ein Test in den ersten Wochen schwer lesbar sein, weil restliches hCG das Ergebnis irreführend machen kann. Ovulationstests und Rechnung eignen sich nicht zur Verhütung.
Wie oft Sex bei Kinderwunsch?
Fachstellen nennen keinen einzelnen Tag, sondern einen Rhythmus: alle 2 bis 3 Tage über den ganzen Zyklus oder alle 1 bis 2 Tage rund um den Eisprung. Häufiger ist nicht schlechter, Aufsparen ist nicht nötig. Rechnung, Beobachtung und Ovulationstests eignen sich nicht zur Verhütung.
Wann ärztlich abklären?
Sofort Hilfe holen (Angaben für Deutschland):
- Ohnmacht, Kollaps, Kreislaufprobleme oder eine sehr starke Blutung, bei der eine Binde kurz nach dem Wechseln durchtränkt ist: Ruf sofort den Notruf 112.
- Positiver Test oder ausgebliebene Periode zusammen mit einseitigen oder starken Unterbauchschmerzen, Schmerzen in der Schulter oder Schwindel, auch zusammen mit einer Blutung: Geh sofort in die Notaufnahme.
- Fieber über 38 °C, übel riechender Ausfluss oder zunehmende Unterbauchschmerzen in den Tagen nach einer Fehlgeburt oder Ausschabung: Geh sofort in die Notaufnahme oder ruf den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 an.
Noch heute in der Praxis anrufen (außerhalb der Sprechzeiten 116 117):
- Eine Blutung bei positivem Test oder ausgebliebener Periode, auch eine leichte, wenn keine starken Schmerzen dazukommen.
- Die Blutung nach einer Fehlgeburt wird nach einigen Tagen wieder deutlich stärker, oder ein Test wird nach einem negativen Ergebnis wieder positiv.
Das lässt man am besten ärztlich abklären:
- Die Blutung nach einer Fehlgeburt hält länger als etwa drei Wochen an, oder du bist unsicher, ob alles abgegangen ist.
- Eine Kontrolle nach der Fehlgeburt hat noch nicht stattgefunden, oder der Schwangerschaftstest ist nach mehreren Wochen noch positiv.
- Nach einer Fehlgeburt bleibt die Periode nach etwa acht Wochen aus.
- Es hat nach etwa einem Jahr nicht geklappt, ab 35 Jahren nach etwa sechs Monaten, ab 40 Jahren schon vorher; bei sehr unregelmäßigen Perioden, einer Periode, die länger als drei Monate ausbleibt, oder mehreren Fehlgeburten auch früher.
Nur zur Orientierung — ersetzt keine medizinische Beratung oder Diagnose.
Alle Werte sind Berechnungen. Cyelle ist kein Verhütungsmittel und stellt keine Diagnosen.





